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GNU/Linux, OpenSource

Linux oder Windows, Herr Groß?

Schoolforge.net Logo (alt)Linux in der Schule. Ein oft angesprochenes aber selten realisiertes Thema. Das gleichnamige Buch von Karl Sarnow hat mir schon vor Jahren nicht viel weitergeholfen, trotz vieler guter Ideen. Auf diversen Messen, vor allem auf den LinuxTAGen, habe ich selbst wertvolle Anregungen erhalten – u.a. am SuSE-Stand.
Zuletzt erschien ein größerer Artikel über dieses Thema im Linux User Magazin 2009. Es folgten einig Leserbriefe, an denen ich mich beteiligt habe. Allerdings hat sich die Schullandschaft kaum geändert. Ich bin Lehrer und Administrator eines Schulnetzwerkes, seit Jahren im Bereich Lehrerfortbildung in Sachen IT unterwegs (ja, auch Schulungen für Lehrkräfte mit Linux stehen auf dem Programm) und möchte darüber berichten warum und wie an unserer Schule Linux eingesetzt wird. Ich freue mich auch über Antworten zu diesem Thema.

Zu den Fakten: An der Ricarda-Huch-Schule in Dreieich Sprendlingen wird sein mehr als 5 Jahren Linux erfolgreich eingesetzt. Dank Unterstützung meines Kollegen Martin Kurz.
Mit wachsender Unterrichtsbeteiligung (u.a. wird im Informatik-Leistungskurs meines Kollegen Michael und im Grundkurs meines Kollegen Robert Java mit Eclipse auch unter Linux programmiert, meine Schüler der 9. und 10. Klasse üben sich in HTML/Javascript/PHP mit Bluefish und Quanta, meine Linux-AG setzt spielerisch Samba- und Apache-Server auf, … und und und).
Wir (das sind neben mir die beiden genannten Informatik-Kollegen) setzen die Linux-Musterlösung aus Baden-Württemberg in der aktuellen OpenLML Version 5 ein. Diese Schulserver-Lösung setzt auf Debian 5 gepaart mit einer Web-Oberfläche zur Verwaltung der Klassen, die vom Landesmedienzentrum Baden-Württemberg entwickelt wurde. Daneben hat dieses System eine Firewall (IPCop), die integriert (als VM) oder auf einem separaten Server aufgesetzt werden kann. Moodle und Horde gehören ebenso dazu, wie ein OpenVPN-Server, mit dem sich sichere Zugriffen von außen realisieren lassen.

So, das war alles sehr technisch. Doch zur Frage, warum soll man eigentlich GNU/Linux in der Schule einsetzen? Eine gute Antwort lieferte ein Redakteur der Zeitschrift Linux User in dem ZDF/3Sat-Beitrag „Die Reise des Pinguins“ (auch auf YouTube noch einsehbar), als er sagte, dass das Internet morgen das sein werde, wozu wir es heute machen. Also je mehr freie Software wir heute dort etablieren, umso weniger werden wir von Konzernen (die bereits heute unser politisches Geschehen maßgeblich bestimmen) per DRM oder Lizenzbestimmungen geknebelt. Ich weiß wovon ich Rede, wir haben uns gerade mit Lizenzbestimmungen zur Benutzung von Windows 7 im Netzwerk auseinander gesetzt.
Persönlich lautet mein größtes Argument: Schulen sollen Bildung (nicht Ausbildung !) vermitteln, am Ende sollen mündige Bürger stehen, die in unsere demokratische Gesellschaft erfolgreich mitgestalten mögen. Mündig, das heißt für mich, sie sollen bewusste Entscheidungen treffen können. Und demokratisch entscheiden kann man sich wohl nur, wenn man mehr als eine Alternative kennt.
Also halte ich es für unabdingbar, dass freie Software in der Schule und im Unterricht eingesetzt wird, um den Benutzern von morgen jene Alternativen nahe zu bringen. Wofür sie sich letztlich entscheiden werden, das soll ihre eigene Sache sein. Aber Kenntnis zu vermitteln von freien Betriebssystemen, Browsern, Editoren, Plattformen, etc.. das ist m.E. (u.a.) Aufgabe gerade der öffentlich-rechtlichen Schulen. Das heißt nicht, dass ich komplett gegen Windows oder MacOS bin, im Gegenteil. Jedes System hat Stärken und Schwächen. Aber gerade die gilt es doch auszuloten und den Schülern transparent zu machen.

Projekte, in denen OpenSource in Behörden getestet oder realisiert sind, kann man unter www.oss.bund.de einsehen. Ich bin der Meinung, es sind gewiss noch viel mehr Einrichtungen, zumal das BSI eindeutig zu heterogenen Netzwerken aufruft.

Ich bin doch nicht die einzige Lehrkraft, deren Schüler zu Beginn des Unterrichts fragen: „Linux oder Windows, Herr Lehrer?“. Oder doch?

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Über Thorsten Gross

Lehrer für Philosophie, Ethik, Evang. Religion und Erdkunde, Linux-Admin, Mac-User. Stets im Bemühen OpenSource an der Schule einzubringen und zu verankern.

Diskussionen

Ein Gedanke zu “Linux oder Windows, Herr Groß?

  1. Ich möchte hier noch ergänzen, dass ich in der Argumentation um freie Software u.a. auf einer Linie liege mit Steffen Auer, von dem ich argumentativ Unterstützung erhalten habe. Seine Präsentation zu diesem Thema kann man herunterladen unter dem Download-Bereich seiner Webseite Crazy to Bike ( http://www.crazy-to-bike.de/de/downloads/viewcategory/26.html ).
    Danke Steffen!

    Verfasst von Thorsten Gross | Dezember 15, 2011, 10:13 pm

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