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Bildung, Moodle

Ein bisschen frei … ?

Moodle eingesperrt im Copyright

Gefangen im Copyright ?

Wir kennen das alle. Alleine vor einer Planung sitzen und nicht mehr weiterkommen. Manchmal hilft da eine Pause, ein kurzer Rückzug von der Materie. Oder der zweite Blick eines/r Kollegen/in. Denn im Team denkt es sich oft angeregter.  Nicht selten kommt auch der Hinweis: “Du, ich hab’ da ein Arbeitsblatt, das kann ich dir gerne geben.” und wer ist nicht dankbar dafür? Unter Kollegen/innen ist es auch keine Frage, dass man das Arbeitsblatt abändern darf, um es der eigenen Situation anzupassen. Gottseidank! Sonst wäre die Hilfe sehr eingeschränkt, vielleicht sogar ein Bärendienst. Keine Lehrkraft käme auf die Idee zu sagen: “Du kannst mein Arbeitsblatt gerne einsetzen, aber nur mit genau den Fragen, die ich gestellt habe und du darfst es auch nur 12 mal kopieren. Die anderen Schüler müssen gemeinsam hineinschauen.” Ich glaube unsere Antwort wäre eindeutig: “Danke, das kannst du behalten!”. Da wäre mir persönlich die Freiheit des Gestaltens wichtiger als eine kurzzeitig erleichternde Gängelei. Interessanterweise verhält es sich aber mit kopiergeschützten Inhalten genau so – und wir nehmen es hin oder unterlaufen – bewusst oder unbewusst – das Kopierrecht.

Ein Plädoyer für offene Bildungsinhalte – Open Educational Ressources (#OER)

Doch es geht auch anders. Was, wenn die oben angesprochene Kollegialität sich nicht nur auf das eigene Lehrerzimmer beschränken würde? Es gibt schließlich viele Beispiele, für die Offenlegung von Inhalten und sowohl deren vehementen Einsatz als auch deren Weiterentwicklung. Im Softwarebereich muss man da nicht lange suchen, die OpenSource-Bewegung macht es seit Jahren erfolgreich vor – selbst im Bereich der Spitzentechnologien.
Auf dem Educamp in Bielefeld #ecbi11 hatten wir eine große Diskussion darüber, die Torsten Larbig bereits treffend zusammengefasst hat. Das Fazit war, dass es bereits einen sehr breiten Pool an freien Inhalten im Internet gibt, der darauf wartet zusammengeführt zu werden. Die OER-Initiative, die ich unterstütze, will genau das leisten. Die Zeit scheint reif dafür.
Und eines wurde auch mir als Moodle-Lehrer dabei ganz klar: OER ist durchaus ein Label für Moodle-Kurse! Denn was für das Arbeitsblatt im Kopierschacht gilt, trifft auch für den gezippten Moodle-Kurs zu, den ich von einem Kollegen haben möchte.

Freigeben, aber warum …

Dabei ist es entscheidend, auch ein Kopierrecht zu verwenden, das nicht nur die freie Weitergabe erlaubt, sondern auch die Veränderung der Inhalte. Mit dem freien Moodle12-Kurs zur Lehrerfortbildung haben mein Kollege Martin Kurz und ich einen Anfang gemacht. Der Kurs und alle Screencasting-Videos dürfen kopiert und weitergegeben, aber auch verändert werden.
Es stimmt schon, die ersten Schritte sind nicht einfach. Neben Perfektionismus (Ist mein Kurs denn gut genug?), quält vielleicht auch die Furcht sich zu blamieren (Dann sieht man ja, was ich für einen Unterricht mache.) und die Angst vor einer versehentlichen Nicht-Berücksichtigung von Urheberrechten (Hm, ist das eingescannte Arbeitsblatt jetzt kopierrechtlich geschützt oder nicht?).
Da hilft nur Klarheit und konsequentes Vorgehen von Anfang an. Eine sehr gute Orientierung gibt die Creative Commons Lizenz (CC). Hier findet man nicht nur eine Anleitung, unter welchen Lizenzvarianten Inhalte weitergegeben und/oder verändert werden dürfen, es lässt sich auch gleich ein eigenes Icon dafür erstellen.

Warum, lässt sich fragen, sollte denn jemand eigene Leistungen frei verteilen? „Was hat man denn davon?“
Nun, Bestandteil der CC ist die Bedingung der Namensnennung des/der Autors/rin. Wer die Leistung erbracht hat, das fällt also nicht unter den Tisch. Mehrfach verbesserte Moodle-Kurse haben dann eben mehrere Autoren. Ferner besteht Sicherheit über die freie Nutzung des Materials. Nicht zuletzt profitieren alle von einem (kosten)freien Pool an Arbeitsmitteln, die man nicht mehr teuer bei Schulbuchverlagen einkaufen muss.
Kein Wunder, dass letztere reagieren und – wie z.B. Klett – bereits kostenlose, vorgefertigte Moodle-Kurse anbieten, die brav auf die verlagseigenen Ressourcen verlinken. Daran ist nichts auszusetzen. Auch ich habe Verlinkungen u.a. auf Infomaterial von Verlagen als zusätzliche Quellen in meinen Kursen. Die Frage nach den Kopierrechten bleibt Klett hier allerdings schuldig. Ein Moodle-Kurs unter #OEC wäre in jedem Fall davon unabhängig das Kursthema primär auf eine Schulverlagsressource hin auszurichten, wie es beim Beispiel Klett passiert. Es muss nicht mehr eine Klasse mit kostenpflichtigen Arbeitsheften ausgestattet werden, um etwa einen Moodle-Sprachkurs mit Begleitmaterial durchzuführen. Beides soll eben frei verfügbar sein.

… und wie?

Wie sich Moodle-Kurse mit einem Hinweis auf die CC versehen lassen, lässt sich ganz unten in unserem o.g. Kurs Moodle12 einsehen (Siehe Block 14 Lizenzen und Download).
Folgende Hinweise können beim Erstellen des Moodlekurses ebenfalls helfen:

  • Externe Links (auch zu Videos) können bei Benennung der Quelle bedenkenlos eingebaut werden.
  • Bilder sollten stets auf Urheberrecht untersucht werden. Nur Bilder verwenden, die nicht unter Copyright stehen, sondern von der CC explizit frei zur Weitergabe markiert sind.

Zugegeben, es macht mehr Arbeit, die Quellen sauber zu trennen und länger nach freien Alternativen zu suchen. Aber die Mühe lohnt sich. Mit einem flugunfähigen Vogel ist schließlich keinem gedient. Wenn der eigene Moodle-Kurs urheberrechtlich “sauber” ist und bedenkenlos von anderen genutzt werden darf, dann vergrößert sich auch der Pool der freien Bildungsinhalte – auch für die freie Software Moodle.
Kollegialität und Solidarität werden nicht mehr vorrangig auf das unmittelbare Lehrerkollegium beschränkt sein. Für diese Vision, die Teil einer neuen Lehr- und Lernkultur ist, lohnt es sich zu streiten. Ich habe mir jedenfalls vorgenommen, meine Moodle-Kurse zu sichten und zu räumen – und nacheinander frei zu geben. Manche davon sind recht bescheiden. Doch schließlich wird man sie verändern, d.h. erweitern dürfen. Diese Einstellung kommt allen Moodlern zugute – und letztlich auch den Verlagen, die schultrojanerlos Einblick in unterrichtsnahes E-Learning erhalten.

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Über Thorsten Gross

Lehrer für Philosophie, Ethik, Evang. Religion und Erdkunde, Linux-Admin, Mac-User. Stets im Bemühen OpenSource an der Schule einzubringen und zu verankern.

Diskussionen

8 Gedanken zu “Ein bisschen frei … ?

  1. Moodle Kurse werden an vielen Schulen und Universitäten verwendet und es gibt viele Kurse, die auch für andere außerhalb der Institutionen, für die sie erstellt wurden, interessant sind. Wo möglich sollten diese Kurse unter CC gestellt werden. Bei vielen wird es nicht möglich sein, da sie urheberrechtlich geschützte Materialien enthalten. Wichtig ist vor allem, dass bei den Autoren von Moodle Kursen ein Umdenken einsetzt. Bereits bei der Erstellung muss Creative Commons berücksichtigt werden, wenn der Kurs hinterher entsprechend lizensiert werden soll. Siehe dazu auch die gerade im Aufbau befindliche Webseite http://www.CC-your-EDU.de, auf der ich dahingehend aufklären möchte.

    Verfasst von damianduchamps | November 27, 2011, 6:56 pm
    • Ich bin ganz deiner Meinung. Selbstverständlich können nicht alle Kurse freigegeben werden. Trotzdem benötigen wir das bereits angesprochene Umdenken. Gerade mit der Initiative #OER möchten wir diese Trendwende mit anstoßen. Deine Seite ist ebenfalls ein guter Beitrag dazu. Der Vorteil von Moodle liegt ja darin, dass die Kurse direkt auf den eigenen Unterricht angepasst werden können. Dazu bedarf es auch die Zusage anderer „Moodle-Kurs-Erzeuger“, dass sie die Inhalte zur weiteren Bearbeitung freigeben. Die CC ist dazu m.E. genau das richtige Medium.

      Verfasst von Thorsten Gross | November 27, 2011, 7:58 pm
  2. Lieber Thorsten, danke für den Artikel zu OER und Moodle. Ihr habt da mit eurem freien Moodle12-Kurs zur Lehrerfortbildung einen tollen Beitrag geleistet.
    Ich habe die Kurse des Klett Verlags gerade mal gesichtet, denke aber, dass die keinen Schüler recht begeistern werden…
    Dennoch nehme ich den Link in die Google Tabelle zu fei verfügbaren Moodlekursen https://docs.google.com/spreadsheet/ccc?key=0Aouoi7BpzRy4dHZXdjhZUFIyOGY1Tmc3X1JfU1d6WkE auf, die ich zur allgemeinen Bearbeitung erstellt habe. Da müssten wir sicher auch noch mehr die Trommel rühren, damit Kurse hier verlinkt werden. Wir bräuchten eine gemeinsame Plattform, wo die Kurse dann in einem Schaufenster, wie das beim LMZ gerade geschieht,http://schaufenster.mslp-online.de/ sofort einsehbar und auch downloadbar sind. Wenn die Leute einen Kurs erst entzippen und installieren müssen, ist das viel zu umständlich. EIn Hindernis beim Teilen ist sicher auch die Angst, dass der eigenen Kurs nicht perfektionistischen didaktischen Standards entspricht oder dass beiden verwendetetn Materialien ein Copyright Problem besteht. Aber wie du richtig schreibst, sollten wir uns dafür einsetzen, dass bei neuen Kursen dies von vornerein eingehalten wird.
    Entscheidend ist aber immer, dass die Kurse verändert und angepasst werden können.

    Verfasst von Sigi Jakob | November 27, 2011, 7:03 pm
    • Liebe Sigi, danke für das Feedback!
      Der Einsatz von Moodle bei Klett ist in meinen Augen zunächst einmal eine Wertschätzung der Aktualität und Verbreitung dieser guten Plattform. Es ist ja auch legitim, dass die Verlage sich bemühen Ihre Bücher zu verbreiten. Ich konnte bei Klett nirgends feststellen, ob die Kurse unter „Klett-Copyright“ stehen und/oder angepasst werden dürfen – zumal ja Bildmaterial von Klett verwendet wird. Aber genau das ist ja unser Thema und da pflichte ich dir voll und ganz bei! Martin und ich werden uns auch auf der nächsten Moodle-Moot mit dem Thema OEC-Moodlekurse befassen und einen Beitrag dazu einbringen.
      Was ein zentrales Suchregister für freie OEC-Inhalte – und damit auch Moodle-Kurse – angeht, so ist Torsten Larbig eine wichtige Adresse. Wir hatten uns in einem Initiativgremium auf dem Educamp #ecbi11 für dezentrale Strukturen ausgesprochen, aber letztlich müssen die verfügbaren Inhalte nach Themen usw. durchsuchbar sein. Dein Google-Doc ist schon einmal ein guter Anfang. Die letzten Gedanken für die Ausarbeitung dieses Themas sind gewiss noch nicht ausformuliert. Die LMZ macht hier auch eine gute Arbeit und ist Vorreiter für ein Beispiel, wie es möglich wäre. Aber das werden wir sicher noch weiter diskutieren.

      Verfasst von Thorsten Gross | November 27, 2011, 8:14 pm
  3. Ach, und ich wollte der erste sein, der kommentiert :-). Aber das freut mich um so mehr, dass sich dein Blog schnell rumspricht.

    Dein Gedanke „Kollegialität und Solidarität werden nicht mehr vorrangig auf das unmittelbare Lehrerkollegium beschränkt sein.“ ist sehr wichtig. Im diesem Geiste, dass wir und über die Grenzen des eigenen Kollegiums vernetzen, lass‘ uns vorangehen. Super Artikel!

    Verfasst von Martin Kurz | November 28, 2011, 7:25 am
    • Danke für das Feedback, Martin. Ich bin gerade auf einer Fortbildung in Weilburg und habe hier das Thema OER schon diskutiert. Eine wichtiger Punkt scheint mir zu sein Transparenz darin zu schaffen, wie man Materialien mit Primär- oder Sekundärtexten offen darstellen kann – ohne ein Copyright zu verletzen. Die Beantwortung dieser Frage ist für alle geisteswissenschaftlich und sprachlich orientierten Fächer von zentraler Bedeutung. Wir haben hier noch Einiges zu tun und Klarheit zu schaffen, bevor sich OER auf den Weg machen und alle mitnehmen kann. Dann wird auch die Solidarität jenseits des Lehrerkollegiums wesentlich greifbarer.

      Verfasst von Thorsten Gross | November 28, 2011, 10:56 pm

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  1. Pingback: Ein bisschen frei … ? « Idealismus trotz Bildungskultur | Moodle Courses and OER | Scoop.it - Dezember 2, 2011

  2. Pingback: Schritt für Schritt zur Vision der freien Bildungsmaterialien. Was kann ich tun? #OER | hsander.net - Dezember 16, 2011

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