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Bildung

#ecco12 – Barcamps und ihre Reichweite

Educamp in Kölln#ecco12 war mein zweites Barcamp und diese Art eines selbstorganisierenden Kongresses oder „Mitmachkonferenz“ ist unglaublich anregend. In #ecco12 wich die Aufregung vom ersten Mal eher der Reflexion. Getreu dem Motto weniger ist mehr. Als Lehrer stelle ich mir die Frage, inwieweit dieses Format der Kommunikation erfolgreich in der Schule anzusiedeln ist. Bereits auf meinem ersten Barcamp letztes Jahr in Bielefeld wurden Fach- oder Pädagogische Tage von Lehrkräften im Barcamp-Format diskutiert.

Was ist ein Educamp?

Video von Julia Mete, Jaana Müller und Ralf Appelt

Während Educamps für Bildungssüchtige reserviert zu sein scheinen (siehe Video), sind Barcamps für Jugendliche ebenfalls eine sich etablierende Methode, – so durfte ich gestern von Thore Olaf Kühn erfahren – die im außerschulischen Kontext nicht nur diskutiert sondern bereits eingesetzt werden. Beispiele sind: Gamescamp oder Jugend-Polit-Camp (geplant). In der Session gestern wurde auch die Idee eines schulorientierten Einsatzes besprochen. Das ist mein Thema. Sehr anregend finde ich die Möglichkeit der schülerzentrierten (kollektiven und selbstorganisierten) Abiturvorbereitung, in der (im Vorfeld methodisch gecoachte) Schüler Sessions betreuen, in denen schwächere Teilnehmer möglichst von Experten im jeweiligen Fach unterstützt werden. Die Frage, ob die Sessions von den Experten eröffnet oder von einzelnen oder mehreren Schülern mit Coaching-Bedarf eingefordert werden sollten, lässt sich m.E. in beider Hinsicht beantworten. Eine weitere Frage, ob dieses „Abicamp“ obligatorisch für den Abiturjahrgang sein sollte nicht. Hier dürften sich die Barcamp-Geister scheiden, denn die freiwillige Teilnahme ist eigentlich grundsätzlicher Bestandteil der Barcamp-Idee. Sollte es also zu einer freiwilligen Wochenendveranstaltung kommen, die dafür schulübergreifend angelegt ist? Oder zu einer schulinternen Pflichtveranstaltung für die jeweils eigene Oberstufe? Bereits bei der Formulierung dieser Sätze schlägt meine innere Waage für die erste Option. Hier sind doch die intrinsisch motivierten Teilnehmer zu finden, von denen die Barcamp-Idee mit Leben gefüllt wird.
Ich bilde mir nicht ein, dass alle Lücken der Schüler/innen, alle Fragen und alle Zweifel beseitigt sein würden. Aber Thore und ich teilen zumindest die Zuversicht, dass ein Prinzip „Schüler coachen Schüler“ vielversprechend klingt. In Varianten werden solche Peer-Group-Trainings bereits effektiv und erfolgreich eingesetzt. Damit ist es einen Versuch wert.

Und, warum soll man die Idee nicht weiterspinnen, es könnten doch auch andere schulübergreifende Barcamps stattfinden, sei es fächerbezogen – Musik-Barcamp, Informatik-Crack-Barcamp, Mathe-Barcamp,… oder einfach themenorientiert – Bewerbungs-Barcamp, usw.; je nachdem, was Schüler bewegt. In dieser Hinsicht beginnt die Diskussion mit meinem Kollegen Martin Kurz, der für seine Schule bereits Schüler-Coaches einsetzt. Ich sehe jedenfalls für die Oberstufe im Rahmen einer Projektwoche ein echtes Potential für eine mediengestützte Selbstorganisation von Schülern mit dem Ziel die Abiturquote für alle zu verbessern.

YouTube-VideoDoch wie führt man die Barcamp-Methode erfolgreich in die Schule ein? Dieses Thema beschäftigte uns während des ganzen Frühstücks bis zur Session „Barcamp4Beginners“. Dort hat u.a. Florian Borns ein Erklärungsvideo vom letzten Educamp gezeigt. Die Neulinge auf diesem Barcamp gaben zudem tolle Anstöße und Reflexionen, was in ihnen heute vorging und zur Bewältigung des Themenablaufs hilfreich war. Auch hier schwebt mir schon eine Idee vor: Ein Game-Barcamp in der Schule mit Schülern, Eltern und Lehrern. An Experten dürfte es uns unter den Schülern jedenfalls nicht mangeln.

Es wird sicher länger dauern als bis zum nächsten Edu-Camp, bis ich der Gruppe um das Thema „Barcamps für Jugendliche“ mit konkreten Ergebnissen aus der Schule aufwarten kann. Aber ich bin sehr gespannt und freue mich darauf auch konzeptionell zu dieser Idee etwas beizusteuern. Meine kleinen Session-Beiträge auf #ecco12 über die YouTube-Videos und ePortfolios im Artikel zu Mahara hier im Blog haben mich jedenfalls gelehrt einen langen Atem zu haben.

Die Links im Artikel entstammen teilweise dem Forenbeitrag „Barcamp mit Schülern“ auf educamp.mixxt.de initiiert von Thore Olaf Kühn.

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Über Thorsten Gross

Lehrer für Philosophie, Ethik, Evang. Religion und Erdkunde, Linux-Admin, Mac-User. Stets im Bemühen OpenSource an der Schule einzubringen und zu verankern.

Diskussionen

7 Gedanken zu “#ecco12 – Barcamps und ihre Reichweite

  1. Ich finde es eine spannende Idee, Barcamps in der Schule einzusetzen, aber ich weiß nicht, ob das wirklich so gut funktionieren wird. Das Educamp lebt ja – wie du auch geschrieben hast – von der Freiwilligkeit und der Möglichkeit, Sessions zu wechseln, kritisch nachzufragen etc. In der Schule wäre ein Barcamp wahrscheinlich eine „super tolle“ Methode unter vielen anderen, die Schülerinnen und Schüler mehr nervt als hilft.

    Gibt es denn schon konkrete Erfahrungen mit dem Barcamp-Format in der Schule?

    Verfasst von Tobias Hübner | März 19, 2012, 9:24 pm
    • Ein guter Einwand, Tobias. Wie oben beschrieben suche ich auch noch nach der „richtigen“ Anwendung dafür. Ich würde mir natürlich vorstellen die Offenheit soweit als möglich zu bewahren. D.h. das Schul-Barcamp sollte nach wie vor offen sein – z.B. für Schüler anderer Schulen, für Eltern, die Presse oder einfach am Thema interessierte Personen. Warum sollten bei einem Abi-Camp nicht auch Schüler anderer Schulen teilnehmen, um sich Anregungen zu holen? Oder Studenten, die ihre Erfahrungen einer guten oder miesen Abiturabwicklung einbringen möchten (!), falls das Bedürfnis da ist? Über eines bin ich mir im Klaren: Verordnen wie eine Gruppenarbeit lässt sich ein Barcamp nicht. Wenn für das Thema nicht genug Anmeldungen da sind, findet es nicht statt. Aber ich habe die Hoffnung, dass die Schüler auch begreifen, dass sie selbst die Inhalte steuern und alles was sie selbst angeht zum Thema machen können. Deshalb sehe ich die Camps in meiner Vision auch parallel zum Regelunterricht angesiedelt – eben für die, die kommen wollen.
      Den Forumsthread Barcamp mit Schülern (siehe: http://educamp.mixxt.de/networks/forum/thread.214109) hat – wie gesagt – Thore eröffnet. Hier sind noch ein paar weiter Links zu finden. Ich selbst bin noch auf der Suche nach Beispielen. Vielleicht mag hier jemand noch weitere Ergebnisse posten?

      Verfasst von Thorsten Gross | März 20, 2012, 7:10 am
  2. Hallo Thorsten , vielen Dank für deine gelungene Zusammenfassung. Ich bin erstaunt, dass nach @ecco12 schon wieder so viele Wochen verflossen sind. BIsher kann ich noch nichts Neues berichten. Die Nordlichter fangen aber morgen an, die vielen Anregungen aufzuarbeiten und melden sich dann wieder.

    Verfasst von Thore Olaf Kühn | April 26, 2012, 8:27 pm
    • Hallo Thore, ja die Zeit fliegt. Ich stecke gerade in der Vorbereitung eines BarCamps für unsere Schule. Nächste Woche stelle ich die Idee auf der Gesamtkonferenz vor und hoffe auf Unterstützung. Erste Schülerreaktionen vorab waren sehr interessiert und vielversprechend. Ein Schüler aktualisiert gerade das provisorisch eingesetzte Logo der Veranstaltung.
      Meine Vorstellung ist die eines Pilotprojektes zum Thema Games (wie oben erwähnt), um zu testen welche Ressourcen und Strukturen für ein gut funktionierendes BarCamp in unserer Schule bereits vorhanden sind. Auf RHSCamp (http://rhscamp.mixxt.de/) habe ich schon einmal die Eckdaten für ein „Games-Camp“ dargestellt – allerdings noch nicht vollständig ausgearbeitet und nur mit ein paar Anmeldeplätzen zur Probe freigegeben. Es liegt noch eine Menge Arbeit vor mir und ich kann mich aber erst ab nächster Woche so richtig darum kümmern. Es steht auch noch nicht 100%ig fest, dass es so wie vorgesehen stattfinden/ablaufen wird, das „heiße“ Eisen wird sozusagen gerade geschmiedet. 😉
      Das Camp soll auf jeden Fall auch für Außenstehende geöffnet sein, in welchem Umfang steht allerdings noch nicht fest. Mehr darüber hier in Kürze.

      Verfasst von Thorsten Gross | April 27, 2012, 9:07 am
  3. So, das GamesCamp in unserer Schule läuft an. Bereits jetzt vielen Dank an alle Unterstützer/innen, die so tatkräftig mithelfen. Es sind noch einige organisatorische Hürden zu nehmen, aber die wesentlichen Punkte stehen fest. Einmal habe ich mich entschlossen die Dauer auf zwei Tage zu verkürzen – nach dem Motto „weniger ist mehr“. Außerdem sind in jedem Fall Schüler externer Schulen herzlich eingeladen teilzunehmen. Die Übernachtungsmodalitäten für Langspieler werden gerade geklärt. Der positive Zuspruch von Seiten der Elternschaft ist sehr ermutigend. Allerdings steht die Teilnehmerzahl noch nicht fest und wir befinden uns noch in der „Werbephase“. Das erschwert die Planung z.B. für das Catering. Immerhin wird schon diskutiert, was gespielt werden soll. 🙂

    Verfasst von Thorsten Gross | Mai 31, 2012, 9:20 am

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  1. Pingback: Lesenswert: Barcamps und ihre Reichweite - Auch ein Erfolgsmodell für die Schule? | Netzwerk Bildung | Scoop.it - März 20, 2012

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