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Bildung

Frisch „gecampt“ ist halb gewonnen – erstes Schul-BarCamp an der RHS Dreieich

Der Anfang ist die Hälfte des Ganzen.“ So wird Aristoteles gerne zitiert. Nun, der Anfang ist getan, am 08. und 09. Juni 2012 fand das erste BarCamp in einer Regelschule mit Schülern, Eltern, Lehrern und Medienpädagogen statt. Zeit für einen ersten kurzen Rückblick.

LAN-Party als Auftakt zum 1. BarCamp der RHS

LAN-Party als Auftakt zum 1. BarCamp der RHS Dreieich

Dieses BarCamp bestand aus zwei Teilen. Als Auftaktveranstaltung fand am Freitagabend eine LAN-Party statt, die im Forum der Plattform mixxt.de bereits heiß diskutiert wurde. Die Frage, welche Spiele gespielt werden sollten und die Diskussion um eine Gruppe, die sich für Minecraft auf einem lokal installierten Server sammelte, nahmen den breitesten Raum ein. Obwohl die Anmeldungen zunächst zögerlich waren, nahmen insgesamt 27 Personen an der Auftaktveranstaltung teil, davon größtenteils Schüler aus vier verschiedenen Schulen und aus den Klassenstufen 6-11. Spielehits waren vor allem Minecraft, Trackmania und Paintball2.

Verwaltungstrakt virtuell

Nachbau des Verwaltungstraktes der Schule, die Rotunde gelb im Hintergrund zu sehen.

Der Schüler Maxim Kuznetsov (Klasse 8) hatte zuvor Minecraft auf einem lokalen Linux-Server installiert, dort konnten sich die Teilnehmer einloggen und ein gemeinsames Projekt bauen. Vorab wurde bereits in einem Forumsbeitrag der Nachbau der Schule und bauliche Veränderungen thematisiert. Um die Pausenhalle umzugestalten, musste ein dort integrierter ellipsenförmiger Raum (die Rotunde) zunächst beseitigt werden. Deren Aufbau (und spätere Sprengung) bereitete den Schülern sichtlich Vergnügen. Als Vorlage dienten Grundrisspläne, die von den Schülern akribisch und maßstabsgetreu umgesetzt wurden. Zu den baulichen Erweiterungen fehlte nach der Sprengung leider die Zeit. Doch dieser kreative Einfall ist bereits für die kommende Projektwoche der Schule notiert. Zeit dagegen nahmen sich die beiden Paintball2-Teams, die sich spontan zusammensetzten und gegeneinander antraten. Den Schülern war vorab auch eine Übernachtungsmöglichkeit angeboten worden, die einige nutzten.

Am Tag darauf trafen sich morgens 24 Teilnehmer zum eigentlichen BarCamp. Die Gruppe war erfreulich heterogen und bestand aus elf Schülern der RHS und größtenteils Lehrkräften, Medienpädagogen und zwei Studenten. In den anschließend sieben ermittelten Sessions ging es um Spiele, Medienkompetenzen und natürlich um das BarCamp an sich. Vor diese Gruppe zu treten und das erste BarCamp mit Schülern an einer Schule zu eröffnen, war für mich ein bewegender Moment. Besonders spannend jedoch fand ich die Vorstellungsrunde der Teilnehmer selbst. Hier gaben die Schüler mehrheitlich an, dass für sie als Grund der Teilnahme vor allem die Gemeinschaftserfahrung im Vordergrund stand. Das war für mich ein Schlüsselerlebnis. Thematisch folgte auf eine Einführung in die BarCamp-Methode die Dokumentation der Sessions mit der Software Etherpad. Dazwischen fand im Plenum die erste Session zum Thema „Einsatz von Twitter“ statt, die Angelika Beranek vom Infocafé Neu Isenburg vorstellte. Sie und ihre Kollegin Beate Kremser waren als Medienpädagoginnen auf der Veranstaltung aktiv präsent. Im Nachhinein muss ich sagen, dass diese Konstellation didaktisch als Einführung in die Sessions sehr hilfreich war, auch wenn die Online-Dokumentation in diesem Fall vernachlässigt wurde.

BarCamp: Persönliche Vorstellung

BarCamp: Persönliche Vorstellung der Teilnehmer mit 3 Schlagworten

In den nachfolgenden Sessions ging es um Minecraft-Server, Spiele-Prävention, Datenschutz und Soziale Netzwerke, Sicherheit bei der LAN-Party zuhause, Spielemodding und Leveldesign und natürlich um BarCamps in der Schule. Besonders hat mich hier grefreut, dass die Schüler Maxim und Patrick eine eigene Session über die Implementierung und Funktion eines Minecraft-Servers angeboten haben, die bei den Mitschülern auch gut ankam. Ein lokaler Presseartikel hat dieses Ereignis erfreulich positiv gewürdigt. Technisch war jeder Session-Raum mit einem vorinstallierten Laptop, Beamer und WPA2-gesichtertem WLAN-Zugang versehen. Diese Anregung hatte ich mir vom Fachtag mit BarCamp #tub12 mitgenommen, den Florian Borns von „Sicher-dein-Web.de“ im Haus des Lebenslangenlernens (HLL) veranstaltet hatte. Die Online-Dokumentation per Etherpad konnte dadurch mit eigenen Geräten von den Teilnehmern durchgeführt werden. Das ist in einer Schule nicht selbstverständlich und erklärt u.a. warum diese Veranstaltung neben dem eigentlichen Schulbetrieb am Wochenende stattfand. Die Schüler (und die übrigen Teilnehmer) freute es und der geöffnete Raum wurde sehr konstruktiv und effektiv genutzt. Das Einüben von selbstlenkenden Peer-Groups mit eigener Zielsetzung, gegenseitigem Informationsaustausch und selbstverantwortlicher Dokumentationsaufgabe ist m.E. als wichtiger Schritt zum selbstorganisierten Lernen zu sehen. Laut Hattie-Studie sind dies bedeutende Bausteine zur Verbesserung der Unterrichtsqualität.

Session-Vorstellung Maxim

Selbstbewusst und kompetent, Patrick (links) und Maxim (mit Mikro) stellen ihre Session vor

Abschließend lässt sich festhalten, das dieses erste Schul-BarCamp aus mehreren Gründen als echter Erfolg zu werten ist. Trotz kurzfristiger Ankündigung, langem Wochenende und Abiturphase kamen doch ausreichend Teilnehmer zusammen, um eine Sessionstruktur abzubilden und eine „Mitmach-Konferenz“ durchzuführen. Eine schulübergreifende Teilnahme und Integration der Schüler wurde zudem bei der LAN-Party problemlos erreicht. Rückblickend war die überschaubare Teilnehmerzahl zum Einstieg in diese Methode auch vorteilhaft. Die Plattform mixxt.de stellte sich insgesamt als gutes Medium für die Online-Organisation dar, vor allem weil sich externe Teilnehmer problemlos registrieren konnten. Dies ist natürlich bei schulinternen Lernplattformen anders. Allerdings hat mixxt auch ein paar Nachteile, wie ich bei Werbepräsentationen in Elternkreisen erfahren konnte. Nicht jeder wollte im Klarnamen sichtbar sein – Eltern waren auf dem BarCamp leider kaum vertreten – und temporär war die Seite auch nicht erreichbar oder manchmal sehr langsam. Entscheidend für das Gelingen des BarCamps war die große Hilfe von anderen Mitorganisatoren – sei es was Beratung angeht, Ideenfindung oder auch ganz simple Hilfeleistungen, wie der Aufbau der Infrastruktur.

BarCamp - Session

RHS BarCamp – Session mit Schülern, Lehrern, Medienpädagogen

Auch wenn es ein Kraftakt war, für mich persönlich wird dieses erste BarCamp in guter Erinnerung bleiben, alleine wegen der guten Vernetzung mit den Teilnehmern. Mir ist vor allem wichtig mich bei allen zu bedanken, die dem Orga-Team beigetreten sind und mich mit Zeit, Engagement und Tatendrang bei diesem Projekt unterstützt haben. An erster Stelle und ganz besonders bei Markus Wortmann vom Verein „Sicheres-Netz-hilft.de„, der u.a. die abgebildeten Photos gemacht hat. Sicheres-Netz-hilft.de hat uns mit Rat und Tat ganz besonders unterstützt. Doch auch die im Hintergrund agierenden Kollegen und ehrenamtlichen Helfer seien bedankt, wie z.B. Björn Schraad, dem Passepartout für alle Fälle. 😉

Noch etwas: Während meiner eigenen Session zum Thema BarCamps an Schulenhatte ich als Einsatzmöglichkeit u.a. die Vorabstrukturierung einer Schulprojektwoche vorgeschlagen. Ohne es zu ahnen fand genau dies in einem kleinen Fall statt. Die Schüler hatten zuvor bei der LAN-Party (wie online besprochen) zwar den Schulgrundriss mit Minecraft gebaut und die Rotunde gesprengt – bauliche Veränderungen jedoch nicht mehr angehen können. Genau darauf sprach mich nun mein Kollege Robert an: „Könnten wir nicht ein Minecraft-Projekt anbieten, dass die Schule komplett nachbaut und verändert?“.

Logo des BarCamp der RHS

Logo des BarCamps der Ricarda-Huch-Schule

Das wollen wir jetzt in der Schulprojektwoche angehen. Und ich finde es toll, dass wir so beim Spielen ein echtes kleines Projekt für die Zukunft entdeckt haben, nämlich eine virtuelle Schulgestaltung, in die reale Verbesserungsvorschläge wie z.B. Barrierefreiheit einfließen können.Für das nächste BarCamp habe ich schon einige Ideen und nebenbei Rückmeldungen wir die eines Schülers „…wäre schön wenn es bald wieder ein BarCamp gäbe.“ sind natürlich Wasser auf meine Mühlen.

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Über Thorsten Gross

Lehrer für Philosophie, Ethik, Evang. Religion und Erdkunde, Linux-Admin, Mac-User. Stets im Bemühen OpenSource an der Schule einzubringen und zu verankern.

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