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Freiheit und Sicherheit im Netz

Filmplakat Staatsfeind Nr. 1

Ein T-Shirt zur Solidarisierung. Es hat schon etwas Skurriles vom Film „Wag the dog“, wie Edward Snowden derzeit in der Presse und der Öffentlichkeit rezensiert wird. Nicht wenige fragen sich: „Wo liegt denn nun die Wahrheit?“. Ist es tatsächlich so spektakulär, dass Geheimdienste digitale Medien nutzen, um zu neuen Erkenntnissen zu gelangen? Wundern wir uns wirklich, dass ein James Bond von heute seltener im Smoking durch die Straßen rennt als öfter im „I read you E-Mail“-T-Shirt vor der Tastatur zu sitzen? Ich selbst erinnere mich an eine im April 1996 ausgestrahlte Sendung des ZDF der Serie Zündstoff mit dem Titel „Hacker mit Geheimauftrag“, in der bereits Ende des 20. Jahrhunderts NSA-Zugriffe in fremde Netze thematisiert wurden. Neu ist diese Thematik also gar nicht. Spektakulär in Cinematek-Szene gesetzt wurde sie schon 1998 im Spielfilm „Der Staatsfeind Nr. 1“, in dem Will Smith diverse Abhörmethoden des ausgehenden 20. Jahrhunderts über sich ergehen lassen musste. Die NSA bekam im Film als staatliches Organ die Rolle des Bösewichts. Heute lässt sich dieser „schwarze Peter“ in der Realität nicht mehr so eindeutig einer Organisation zuordnen, wenn man Snowden Glauben schenken möchte.

Eine ganz offensichtliche Wahrheit führen uns diese Ereignisse jedoch einmal deutlicher denn je vor Augen: Daten, die durchs Internet wandern, werden nicht nur von Sender und Empfänger gelesen. Hier stellt sich ganz klar die Frage nach der Sicherheit nicht nur der Übertragung, sondern auch des Betriebssystems. Wird schon länger gemunkelt, Microsoft haber per „NSAKEY“ oder Update-Funktion ein Schlupfloch für Staatshacker gelassen – was die Firma stets dementierte – , so scheint nun ganz klar zu sein, dass zumindest in Fragen der Verschlüsselung der Konzern aus Redmond seine Nutzer anscheindend im Regen stehen ließ. Ob Apple-User da mehr Sonne bekommen steht noch in den Sternen. Prinzipiell gilt anscheinend, alle unter amerikanischem Recht stehenden Dienste und Firmen dürften als sehr unsicher eingestuft werden, wenn man offiziellen Meldungen glauben darf. Die Ausmaße der mutmaßlichen Datensammelwut lassen Datenschützer altgediente Horrorszenarios à la 1984 in den Schatten stellen.

Als Otto-Normaluser fragt man sich: gibt es denn kein Entrinnen? Nun eigentlich schon, wie uns Mirko Dölle vom Heise-Verlag erläutert: Ein konsequentes Einsetzen von OpenSource-Software würde ein einfaches Datensammeln möglicherweise verhindern, zumindest aber sehr erschweren. Einsatz von freier Software, deren Code offen liegt, Verschlüsselung nicht nach Firmenvorgabe, sondern nach offenen Standards und umsichtige Benutzung des Netzverkehrs. So einfach geht das also. Schade, dass so wenig Bürger/innen mit OpenSource und dem passenden Betriebssystem – GNU/Linux – etwas anfangen können.

TuxCamp Grafik von Thomas Anlauf

Also Zeit etwas dagegen zu tun! Ca 1% der PC-Benutzer setzen auf ein freies Betriebssystem und der aktuelle „Snowden-Effekt“ könnte vielleicht dazu beitragen, dass es mehr werden. Hier gilt es Berührungsängste abzubauen und im offenen Diskurs zu informieren.
In diesem Sinne planen wir – das BarCamp-Orga-Team der Ricarda-Huch-Schule in Dreieich – ein neues BarCamp zum Thema „Freiheit und Sicherheit im Netz“. Das Motto: Join the pinguins ist dabei wörtlich zu nehmen. Anlass dazu ist allerdings weniger eine dramatische Spionage-Enthüllung, sondern die erfreuliche Tatsache, dass im nächsten Schuljahr 2013/2014 nun schon seit 10 Jahren GNU/Linux auf (anfangs) zumindest einigen (später fast allen) der Rechner im Schulnetzwerk läuft. Auf dem Linux-TAG 2013 habe ich mich bemüht mit mehreren Communities in Kontakt zu treten und auch teilweise positive Resonanz erhalten, dass deren Ableger im Rhein-Main-Gebiet uns bei diesem Projekt unterstützen möchten. Das Linux-Professional-Institut LPI wird z.B. die Linux-Essentials vorstellen und damit die Möglichkeit für Schüler und Studenten ein Zertifikat für den Gebrauch von Linux zu erwerben. Aber auch andere Communities diskutieren einen Workshop oder anderen Beitrag. Erhöhung der Medienkompetenz, OpenSource in Bezug auf Maßnahmen zur Berufs- oder Studienvorbereitung stehen ebenfalls auf der Agenda.
Wir planen zunächst am Freitagabend, dem 27. September eine Linux-Installationsparty, bei der sich alle an Linux interessierten Personen einen Eindruck verschaffen können. Bei Bedarf kann eine gewünschte Linux-Variante auch gleich auf den eigenen PC bzw. den Laptop aufgespielt werden. Dieses Event soll in lockerer Runde mit mehreren Kurzvorträgen und Erfahrungsberichten zu einzelnen Distributionen stattfinden.
Am folgenden Samstag, den 28. September soll das eigentliche BarCamp – TuxCamp stattfinden; mit verschiedenen Sessions und Workshops, die – wie bei BarCamps üblich – ad hoc am Morgen ermittelt werden. Eine Themendiskussion findet teilweise bereits vorab im Forum der Plattform statt, auf der man sich als Teilnehmer registrieren und anmelden muss: rhscamp.mixxt.de.

Flyer zum TuxCamp am 27. / 28. 09.2013

Flyer zum TuxCamp am 27. / 28. 09.2013

„Wir“ – die Ricarda-Huch-Schule – sind natürlich nicht die einzige Schule mit Linux, aber so verbreitet, wie man glauben sollte, ist das offene Betriebssysem in der Schullandschaft leider nicht. Es gibt schon ein paar Hürden, u.a. um ein Netzwerk umzustellen. Deshalb schwebt uns auch ein Workshop vor, der sich mit der Thematik befasst: „Wie unterrichte ich mit Linux in einem Windows-Netzwerk?“ und die Erstellung einer Distribution zum Unterrichten mit einer Live-CD zum Ziel haben soll. Wenn sich denn genügend Interessenten finden.
Ob auf dieser CD dann der von einer Organisation namens NSA unter der Bezeichnung „SE-Linux“ eingestellte Kernel-Patch zum Zuge kommt, das kann dann immer noch in einer Session diskutiert werden.

Link zum Flyer_TuxCamp_A6 als PDF

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Über Thorsten Gross

Lehrer für Philosophie, Ethik, Evang. Religion und Erdkunde, Linux-Admin, Mac-User. Stets im Bemühen OpenSource an der Schule einzubringen und zu verankern.

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