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Tauchen

Nemo suchen und finden

„Das ist die reine Fischsuppe.“ Andy von der Basisleitung lacht und wir stoßen an. Unser abendlicher Rückblick auf die beiden Tauchgänge am Riff vor Menjangan strotzt vor schönen Momenten, die wir kaum fassen – geschweige denn in Schilderungen wiedergeben können. Die Vielzahl der seltenen Fische, die Schönheit dieses Riffs und ganz einfach diese atemberaubende Tauch-Location insgesamt haben diesen Tag zu einem der größten Highlights des zweiwöchigen Aufenthaltes auf Bali gemacht.

Tauchen oder Schnorcheln?

Tauchen oder Schnorcheln?

Eine Woche North-Bali-Divecenter haben sich mehr als gelohnt. Die professionell und gelassen geführte Tauchbasis lässt wenig an Wünschen offen (das gilt auch für Nur-Schnorchler). Dies belegen u.a. die zahlreichen Einträge auf  Taucher.net. Neben der kulinarischen Vielfalt und der taucherfreundlichen Unterbringung – Beach-Häuser direkt am Meer – ist es besonders die freundliche und geradezu familiäre Atmosphäre, die Besuchern das Gefühl gibt, nicht nur Urlaub zu machen, sondern dabei auch Teil einer kleinen Gemeinschaft zu sein. Dafür sorgen auch lange Gespräche am gemeinsamen Abendtisch mit reichlich Unterwasserphilosophie und Taucherlebnissen. Andy und Lorna als Basisleitung von Jörgs Divecenter verstehen es prima Wünsche aufzugreifen und in tauchbare Erlebnisse zu verwandeln.

Abtauchen mit dem Guide

Abtauchen mit dem Guide, Steve (alias Made) in Action mit mir

Die Tauchguides Steve und Idy sind sehr zuvorkommend bemüht, jeden Taucher auf seinem Niveau an die Umgebung heranzuführen. Insgesamt durchzieht dieser gute Teamgeist die ganze Mannschaft des Divecenters und lässt die schöne Zeit schnell vergehen.
Und diese Zeit hat es in sich: vor der Basis liegen mehrere sehr schöne Korallenriffe in kurzer Distanz, beim Annähern mit dem Boot sind sie bereits als türkisfarbene Streifen im königsblauen Meer zu sehen. Dort liegen zwischen ca. 5-8 m tief die Riffplateaus, deren Hänge sich teilweise mit einer leichten Strömung angenehm leicht passieren lassen. Die Tauchguides helfen beim Aufstöbern von Meeresschönheiten, sofern diese nicht von alleine den Weg kreuzen. So finden wir unter Korallen zwei Babyhaie und auch Kraken, die sich in Riffspalten zurückgezogenen haben. Falterfische, Kaiserfische, Anemonenfische, Trompeten- und Papageienfische muss man nicht suchen, sie umschwirren einen Taucher fast wie Bienen einen Imker. Die Farbenpracht ist atemberaubend. Am liebsten möchte man gleich nochmal um das Riff, wenn der Blick auf den Finni nicht Einhalt gebieten würde. Die wenigen Minuten Dekompressionszeit werden bei 5 m auf dem Riffsockel so kurzweilig wie selten. Nach dem Auftauchen erleichtert das freundliche Bootsteam den Einstieg. Suri nimmt meine Flossen entgegen und hilft mir aus dem Jacket. Zwischen zwei Tauchgängen wird kurz der Standort gewechselt und das vortags bestellte Lunch-Paket an Bord verzehrt. Nach ausreichender Pause und Flaschenwechsel geht es zum zweiten Tauchgang hinab in die Gärten Poseidons.

Nicht immer witzig aufgelegt, der Anemonenfisch.

Nicht immer witzig aufgelegt, der Anemonenfisch.

Intensiv gesucht und gefunden: Ein kleiner Riffhai döst unter einer Koralle.

Intensiv gesucht und gefunden: Ein kleiner Riffhai döst unter einer Koralle.

Ein Kofferfisch

Ein Kofferfisch

Wer so giftig ist, wie der Steinfisch, kann es sich leisten offen herumzuliegen.

Wer so giftig ist, wie der Steinfisch, kann es sich leisten offen herumzuliegen.

Touristenboote über dem Riff vor Menjangan, ...

Touristenboote über dem Riff vor Menjangan, …

... und ihre Hinterlassenschaft am Riffhang. Segen und Fluch des Tauchtourismus.

… und ihre Hinterlassenschaft am Riffhang. Segen und Fluch des Tauchtourismus.

Auch ohne Tauchflasche ist der Riffsockel für Schnorchler gut erreichbar.

Auch ohne Tauchflasche ist der Riffsockel für Schnorchler gut erreichbar.

Sie war z.B. beim Schnorcheln gut zu sehen, die Riesenmuschel. Angeblich verschlingt sie ganze Taucher.

Sie war z.B. beim Schnorcheln gut zu sehen, die Riesenmuschel. Angeblich verschlingt sie ganze Taucher.

Das Coralproject: Stahlgitter dienen als Riffbasis.

Das Coralproject: Stahlgitter dienen als Riffbasis.

In den teils fantasievollen Gerüsten finden Fische Zuflucht und Schutz

In den teils fantasievollen Gerüsten finden Fische Zuflucht und Schutz

Um die Gestelle entfaltet sich eine farbenprächtige Korallenlandschaft, Grundlage vieler Fischarten.

Um die Gestelle entfaltet sich eine farbenprächtige Korallenlandschaft, Grundlage vieler Fischarten.

Endlich gefunden. Wusst ich's doch: Nemo wohnt jetzt bei Pemuteran im Coral Project.

Endlich gefunden. Wusst ich’s doch: Nemo wohnt jetzt bei Pemuteran im Coral Project.

Neben den vor der Küste befindlichen natürlichen Riffen gibt es allerdings auch weitere interessante Spots: In nächster Nähe das Coral-Project (Link zum Spiegel-Artikel 2012) direkt an der Küste Pemuterans, eine Art Korallen-Wiederaufforstung per künstlicher Riffbildung. Dies ist nicht nur das größte Projekt dieser Art weltweit, sondern auch ein echtes El-Dorado sowohl für Taucher als auch für Schnorchler, da es in geringer Tiefe für alle gut erreichbar ist und bei klarer See exzellente Sichtverhältnisse bietet. Das „Project“ – wie es allgemein genannt wird – bietet sich auch für Open-Water-Absoventen sehr gut an. Wie Andy mir erklärte, wurden in der Vergangenheit durch Fischen mit Sprengstoff einige Riffe sehr in Mitleidenschaft gezogen. Das Coral Project ist eine Maßnahme zur Erneuerung der Rifflandschaft vor Balis Küste, an der sich auch ufernahe Touristikzentren beteiligen.
Als weiterer Tauchspot nicht vergessen sei die Liberty vor Tulamben, ein sehr leicht zu betauchendes Wrack, das im Rahmen eines Tagesausfluges erreicht werden kann. Hier sollte man allerdings sehr früh aufstehen wollen. Die hohe Popularität des Wracks sorgt für eine ungeahnte Taucherdichte auf kleinstem Raum. Das Verhalten der Fische – sie sind auch bei beachtlicher Größe ziemlich zutraulich – zeigt bisweilen an, dass sie die Anfütterung von Menschen gewohnt sind. Mich trifft hier das Taucherpech. Meine Kamera quittiert mit einer Fehlermeldung der Speicherkarte nach einigen Metern den Dienst. Egal, denke ich mir. Die Schönheit des Wracks genieße ich auch ohne Dokumentation. Die Liberty ist nach Stürmen bereits ziemlich zerfallen, dennoch ist der Tauchgang durch die Spalten des verbliebenen Laderaums spektakulär. Nach einer Weile nimmt die Anzahl der Taucher jedoch derart zu, dass es richtig eng wird.
StatueEtwas ruhiger taucht es sich danach weiter östlich am Korallenriff. Dort trifft man bei weiteren Project-Gestellen und Statuen u.a. auf Muränen und Napoleon-Lippfische (um nur einige zu nennen).
Den Schwarzspitzen-Hai konnten wir leider nicht entdecken, dafür tröstete uns ein Unterwasser-Buddha mit seinem ruhigen Anblick. Das Matahari-Beach Ressort hat für Taucher mehrere Statuen vor dem Strand aufgestellt. Eine interessante Kulisse für Nachttauchgänge, die wir abends vom Restaurant aus an den aufblitzenden Lampen im Meer erkennen können.

Andy, Markus und Karin auf dem Weg in die Finsternis.

Andy, Markus und Karin auf dem Weg in die Finsternis.

Mein eigener Nachttauchgang findet wiederum in Pemuteran direkt vor dem Divecenter statt. Wir tauchen mit Andy zwischen den Pfeilern des langen Steges hindurch und sind fasziniert von farbenprächtigen Garnelen in unseren Scheinwerfern. Das leuchtende Plankton, das wir beim Aussteigen sehen können rundet unseren erlebnisreichen Ausflug in die Finsternis ab.

Von den verschiedenen Tauchspots bleibt mir Menjangan am besten in Erinnerung. Wenn es einen Ort gibt, an den ich gerne „gebeamt“ werden möchte, dann ist es dort. Noch einmal die Steilwand hinunter sinken und gleich einem Vogel an einer Hauswand von Balkon zu Balkon schwebend in die einzelnen Etagen der Riffwohnungen von Nemo und co zu spähen. Daran werde ich mich noch lange mit Sehnsucht erinnern.

powershotd20

Bild von Markus Weidmann

Die dargestellten Tauchgänge wurden im Juli 2013 durchgeführt. Alle Bilder wurden mit einer Canon Powershot D 20 gemacht.

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Über Thorsten Gross

Lehrer für Philosophie, Ethik, Evang. Religion und Erdkunde, Linux-Admin, Mac-User. Stets im Bemühen OpenSource an der Schule einzubringen und zu verankern.

Diskussionen

Ein Gedanke zu “Nemo suchen und finden

  1. Können wir nur beipflichten – uns ist im Nov. 2012 in 3 Wochen nicht fad geworden ! Tolle Basis mit einem TOP Personal – sehr zu empfehlen ! Wir freuen uns schon wieder auf Nov. 1.-26. Hurra ! Uli & Josef

    Verfasst von Ulrike & Josef | August 6, 2013, 12:50 pm

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