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Bildung, GNU/Linux, OpenSource

TuxCamp2013 – Lego statt Playmobil

Samstagmorgen gegen elf: „Wozu braucht man eigentlich noch Windows?“ Die Frage beantworte ich erst nach einem Stocken und mit Verweis auf die Häufigkeit von dessen Verwendung. Ein Dutzend Teilnehmer sitzen in der Session „Linux für Einsteiger“ und erörtern bzw. testen die Verwendung von OpenSource-Programmen unter unserer installierten Version von Ubuntu mit Cairo-Dock an der Schule. Ein alter Vergleich mit Lego und Playmobil von meinem Kollegen Martin Kurz dient der Veranschaulichung: Die einen möchten lieber das fertige „Männchen“, die anderen wollen es auseinandernehmen und anders zusammensetzen (ohne das als Bedrohung zu empfinden). Schmunzelndes Nicken in der Runde. Ich befinde mich in einem Kreis von Lego-Freunden.

Linux Install PartyDas dritte BarCamp an der Ricarda-Huch-Schule begann am Vortag gegen 18:30 Uhr mit einer Linux-Installparty, der dritten an unserer Schule und mit 24 Teilnehmer/innen die bisher größte. Nach einem musikalischen Auftakt der Schulband, folgte die Auseinandersetzung mit der Technik. Im Vordergrund standen Debian-basierte Linux-Varianten: Die derzeit beliebteste Distribution Linux-Mint und auch Ubuntu, wobei auch Debian-Images gestartet und installiert wurden. Ziemlich beliebt waren auch Virtualisierungen mit Virtual Box, da hier UEFI-Hürden umgangen werden konnten. Bereits bei dieser Auftaktveranstaltung waren Schüler/innen von fünf verschiedenen Schulen anwesend und tauschten Ihr Wissen rund um die freie Software aus. Es war die freundliche Atmosphäre, das gemeinsame Interesse und die wertschätzende Kooperation, die für eine schnelle Integration sorgten. Hochgradige Experten, darunter auch Anselm Lingnau vom LPI, Harald Poppek von Skolelinux und Gerd Aschemann halfen bei Fragestellungen und kniffligen Installationsproblemen. Die Internet-Medien-Scouts Peter Rech und Jens Baumann waren mit von der Partie, um ihre Linux-Kenntnisse zu erweitern. Auch wenn nicht alle Probleme gelöst werden konnten, wurde zu nächtlicher Stunde auch der letzte PC abgebaut.

Der zweite Tag beginnt mit einem Frühstücksbüffet, bei dem ich zunächst externe Schüler wieder beruhige. „Nein, das gibt es nicht standardmäßig bei uns an der Schule.“ Umrahmt von kulinarischer Verköstigung beginnen auch schnell die ersten Gespräche rund um das BarCamp und bisher fremde Personen knüpfen schnell Kontakt. Kurz darauf begrüße ich die anwesenden Teilnehmer im Plenum und kann mir einen enthousiastischen Blick auf unseren bisherigen Erfolg nicht verkneifen – immerhin feiern wir mit dieser Veranstaltung zehn Jahre Linux an unserer Schule. Kein Wunder, das dieses Thema auch in mehreren Sessions Interesse finden wird. Nachdem Peter Rech vom Verein „Sicheres-Netz-hilft“ dessen Medien- und Präventionsarbeit kurz vorgestellt hat, folgt die Vorstellungsrunde. Dann werden die Sessions aufgestellt.

Bild des Sessionplans

Sessionplan des TuxCamp

Das Themenspektrum ist mit dem BarCamp-Motto „Freiheit und Sicherheit im Netz“ viel breiter aufgestellt, als der Fokus auf OpenSource zunächst ahnen lässt. Das liegt vor allem an der Beteiligung, denn die Anwesenden decken ein gesellschaftliches Spektrum ab, das von Schule über Universität und Industrie bis zum Chaos Computer Club reicht. Die weiteste Anfahrt erfolgte aus Berlin, die danach aus Bielefeld und dem Raum Paderborn. Insgesamt werden von den 37 anwesenden Interessierten 19 Sessions rund um OpenSource Software, Datenschutz und Netzwerksicherheit aufgelistet. Lediglich zwei der Sessions finden letztlich nicht statt oder werden inhaltlich umgestaltet. Besonderes Interesse zeigt sich bei Themen wie der „Umgehung einer Session des TuxCampFirewall“, den Features des neuen Personalausweises und der Verschlüsselung von E-Mails. Hier zeigt sich schnell, dass es nicht um ein BarCamp der Betriebssysteme geht, sondern um Sicherheitsfragen, die in den Gestaltungsraum unserer gesellschaftlichen Zukunft reichen. Als Lehrer stimmt es mich besonders froh, dass an dieser Vernetzung von Schule und gesellschaftlichem Leben zunehmend ehemalige Schüler teilhaben, die ihr – nun universitäres Wissen – mit Schülern, Lehrkräften und anderen Anwesenden teilen. Das BarCamp zeigt: Die Schule ist keine Einbahnstraße, sondern kann ein flexibler Ort des offenen Austauschs sein – wenn man sie lässt. Daher gilt mein ganz besonderer Dank allen, die dazu beigetragen haben, dass dieses besondere BarCamp zu einem Erfolg geführt wurde.

Mein persönliches Fazit reiht sich in die vergangenen Veranstaltungen ein. Das TuxCamp ist aus meiner Sicht gelungen und trotz der Thematik mit 47 Teilnehmer/innen kein „NischenCamp“ der Nerds und Freaks geworden. Die vergangene Debatte um Datenspionage hat diesem BarCamp eine besondere Brisanz gegeben und Teilgeber aus verschiedensten Arbeitsbereichen angelockt. Als persönliche Projektidee nehme ich die Durchführung einer Kryptoparty an der Schule mit, die wir zwar online diskutiert, aber aufgrund technischer Engpässe letztlich noch nicht durchgeführt hatten. Außerdem stellen die Linux-Essentials des LPI einen interessanten Inhalt für unseren Unterricht dar. Die Option Academic Partner des LPI zu werden, steht schon für die nächste Fachkonferenz Informatik auf dem Plan.
Ganz besonders freut mich, dass noch mehr Personen erkannt haben: BarCamps haben einen Platz an der Schule. Und wo dieser Platz noch nicht existiert, sollte m.E. Raum dafür geschaffen werden.
Ich blicke mit Vorfreude auf das nächste BarCamp am 14. und 15. Februar 2014 (!). Es wird wieder ein AbiCamp sein. white

Einen ganz besonderen Dank möchte ich hier noch einmal Thomas Anlauf aussprechen. Er hat das TuxCamp-Logo entworfen und uns zur Verfügung gestellt.

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Über Thorsten Gross

Lehrer für Philosophie, Ethik, Evang. Religion und Erdkunde, Linux-Admin, Mac-User. Stets im Bemühen OpenSource an der Schule einzubringen und zu verankern.

Diskussionen

3 Gedanken zu “TuxCamp2013 – Lego statt Playmobil

  1. Danke für den Bericht! Ich wäre gerne gekommen, aber hatte schon andere Verpflichtungen. Aber das Datum fürs nächste mal habe ich schon vermerkt! 🙂

    Verfasst von Guido Arnold | Oktober 11, 2013, 7:24 pm
    • Hallo Guido,
      ja, schade, dass es nicht geklappt hat. Allein die Installationsparty am Freitag war schon richtig cool.
      Der Termin für das nächste Camp „AbiCamp2014“ hat sich übrigens geändert!! Die Veransaltung findet eine Woche später statt, am 14./15. Februar 2014. Das wurde erst diese Woche festgelegt. Ich hoffe Du kannst trotzdem kommen.

      Verfasst von Thorsten Gross | Oktober 12, 2013, 8:37 am

Trackbacks/Pingbacks

  1. Pingback: 3. AbiCamp – kleiner Wurf mit Folgen | Idealismus trotz Bildungskultur - März 5, 2015

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