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GNU/Linux, OpenSource

Wie gründet man eine Linux-AG?

Eine Schule mit Linux-Ausstattung, das ist nicht so häufig gesehen in deutschen Landen. Was also tun, wenn überall Windows läuft und man interessierte Schüler hat, die gerne mal aus dem Fenster schauen möchten? Ganz einfach, man gründet eine Linux-AG, die sich außerhalb der normalen schematisierten Vorgaben bewegt und betreibt nebenbei ein wenig Geek-Hunting oder Freak-Coaching oder wie auch immer man es nennen will.RHS-Homepage - die Linux-AG

Zwei Vorgehensweisen haben sich m.E. bewährt. In beiden Fällen ist es natürlich hilfreich einen guten Draht zum lokalen Admin zu haben (falls er einem nicht im Spiegel entgegen-lächelt) und ggfs. auch mit Extra-Räumlichkeiten aufwarten zu können. Zum einen ist die “billigste” (weil einfachste) Variante, die vorhandene Peripherie zu nutzen und Linux auf den bestehenden Rechnern per Live-CD im Computerraum zu starten. Das kostet vielleicht 10 Euro für eine Spindel zu brennende CDs. Zugegeben, dazu muss man über die Rechte verfügen, einen Schul-PC frei booten zu dürfen. Das kann jedoch verhandelbar sein, denke ich. Schlimmstenfalls muss man vor den AG-Stunden die PCs im Boot-Menü umstellen. Je nach Anzahl der Rechner kann das natürlich richtig Arbeit bedeuten. Falls diese Hürde nicht besteht, ist die Option “Live-CD” eine gute Wahl für größere Schülergruppen, denn mit dem Einlegen der CDs kann es losgehen.

Eine zweite – etwas aufwändigere – Variante besteht darin, in einem speziellen Raum (mit Netzwerkanschluss) einen AG-Raum einzurichten. Dazu benötigt man natürlich einige Ressourcen: Angefangen bei ausrangierten PCs, die man als Schule jedoch als Spende von umliegenden Firmen erhalten kann. Nicht vergessen: Es gibt spezielle Linux-Distributionen, die explizit für alte Hardware optimiert sind! Die Vorteile hier liegen (im wahrsten Sinne des Wortes) auf der Hand. Die Schüler können das Betriebssystem selbst installieren und die Sponsoren-PCs auch einmal öffnen und ihre “Eingeweide” untersuchen. Auch hier liegen viele Entdeckungen und Erfahrungen verborgen. Mit dem Schraubenzieher auf einen PC loszugehen und keine Angst vor Schrammen haben zu müssen. Da geht einem Schüler doch das Herz auf. Zumindest ist das meine Erfahrung.
Wenn die eigens zusammengesetzte Kiste dann auch noch mit dem freien Betriebssystem, das sich beliebig oft ohne Lizenzschatten auf anderen Rechnern installieren lässt, startet, dann haben Schüler ein echtes Erfolgserlebnis.

Inhaltlich weiter geht es mit den Anwendungsprogrammen und natürlich der Shell. Die wenigsten kennen unter Windows noch die DOS-Eingabekonsole. Mit den Möglichkeiten einer Bash und den zahlreichen Optionen zur Bestimmung von Netzwerkeinstellungen oder Kommunikation mit anderen Rechnern lassen sie sich gut beschäftigen und lernen eine Menge über Protokolle, Dienste und Grundlagen von TCP/IP. Eine gute Einstiegshilfe dazu ist der Grundkurs linux-praxis von F. Kalhammer. Aber selbstverständlich gibt es zahlreiche Tutorials und Foren zu dem Thema.

Zur Übersicht der zu verwendenden Distributionen sei Distrowatch empfohlen. Hier findet man die 100 meist benutzten Linux-Varianten und erhält einen guten Überblick über aktuelle Entwicklungen. Für Schüler ist es hilfreich zu wissen, dass man zu verschiedenen Zwecken eine passende Distribution finden kann – etwa Puppy-Linux, ein Linux-Derivat, das sich problemlos auf einem USB-Stick installieren lässt. Falls das mit dem CD-Boot doch nicht erlaubt sein sollte.

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Über Thorsten Gross

Lehrer für Philosophie, Ethik, Evang. Religion und Erdkunde, Linux-Admin, Mac-User. Stets im Bemühen OpenSource an der Schule einzubringen und zu verankern.

Diskussionen

3 Gedanken zu “Wie gründet man eine Linux-AG?

  1. Lieber Thorsten, vielen Dank für deinen Artikel. Eine Frage: was empfiehlst du als Beschäftigung für eine Linux-AG, wenn man, wie im 1. Fall, nicht an PCs schrauben kann? Was ist für die Schüler interessant? Durch die Live-CD ist ja auch das Installieren des Betriebssystems erst mal abgehakt, oder?

    Verfasst von Martin Kurz | August 16, 2011, 6:41 am
  2. Hallo Martin,

    das hängt von verschiedenen Faktoren ab, z.B.:
    – dem Kenntnisstand des Trainers
    – dem Alter/Reifegrad der Schüler
    – der Größe der Gruppe
    – der Toleranz des Admins

    Zunächst würde ich eine Live-CD wählen, welche die Schüler auch gut zuhause einsetzen können. Also Ubuntu z.B. oder ein anderes Debian-Derivat.
    Meiner Erfahrung nach sind Linux-Einsteiger ziemlich gut damit zu begeistern, die Veränderungen der Desktop-Oberfläche zu erkunden. Angefangen von Compiz und den damit verbundenen Spielereien, wie dem Desktop-Würfel, aber auch installierbaren GTK-Themes zur Veränderung der Fenster oder auch installierbare Mauszeiger. Dazu findet man jede Menge interessante Themes, Login-Screens, Mauszeiger, usw. auf der Seite gnome-look.org. Meistens auch mit Anleitungen zur Installation.
    In jedem Fall sollte der AG-Trainer vorher getestet haben, was er den Schüler/innen vorsetzt, um Überaschungen zu vermeiden. Ich kann auch nur davon abraten, den Schülern die URL zu übergeben und einfach mal suchen zu lassen. Einige einsame Programmierer haben dort auch freizügige Bildschirmhintergründe oder Login-Screens hochgeladen, deren Einsatz gewiss Eltern von Unterstufenschülern auf den Plan rufen dürfte. Also lieber selbst stöbern, herunterladen, testen und den Schülern in der AG zur Verfügung stellen.
    Das Gute bei dieser Vorgehensweise ist, dass die relativ kleinen Pakete meist problemlos im Betrieb der Live-CD zu installieren sind.

    Enorm hilfreich ist es natürlich, wenn im Schulnetzwerk ein kleiner Linux-Server läuft, auf dem man einen Samba-, Apache- und SSH-Server laufen lassen kann. Hier öffnen sich schnell Türen für das Erstellen von Webseiten, der Login auf einem anderen Rechner oder das gemeinsame Nutzen von bereitgestellten Dateien. Falls keine Möglichkeit besteht, einen dauerhaften Server betreiben zu können, lassen sich die Server-Programme natürlich im Betrieb der Live-CD installieren und ein Share per USB-Stick nutzen. Hier sollte man sich die Konfigurationsdateien nach dem erstmaligen Einsatz abspeichern, um in der Vorbereitung der nächsten Stunde alles schneller parat zu haben.

    Der Klassiker ist ein gemeinsamer Login auf einem Rechner mit Root-Rechten. Wenn man den Schülern einmal gezeigt hat, dass mit [echo „Wake up, Neo, the matrix has you…“ >> /dev/ptsxy] eine Nachricht auf dem Terminal des Nachbarn erscheint, ist der Aha-Effekt enorm. Derartige Konsolenspielereien mit „Hackerflair“ lösen ziemliche Begeisterungsstürme aus. Das ist aber eine gute Ausgangsposition für ernsthafte Beschäftigungen mit der Shell.

    Verfasst von Thorsten Gross | August 16, 2011, 10:06 am
  3. Wow, danke für die ausführliche Antwort. Die Schüler zunächst visuell „anfixen“, stimmt, das ist das beste Vorgehen (Aussehen der Oberfläche, Stil etc.). Lieben Dank.

    Verfasst von Martin Kurz | August 16, 2011, 11:42 am

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